Unser täglich Brot gib uns heute! …und was essen wir morgen?

Die Teilnehmer des Podiums v.l.n.r:
Die Teilnehmer des Podiums v.l.n.r:
Thomas Wagner, Bezirksbauernpfarrer ,
Thomas Hoyer, Vorstand dwp,
Nicole Hagert-Neuf. Ernährungswissenschaftlerin,
Dr. Jörg Dinger, Landesbauernpfarrer,
Alfred Wahl, Biolandwirt,
Walter Traunecker, Landwirt

Podiumsdiskussion zum Jahresthema


Kirche trifft Landwirtschaft: Ernährungssicherung im Gespräch.

Im Rahmen ihres Jahresthemas „Unser tägliches Brot gib uns heute“ lud die Evangelische Kirchengemeinde Weingarten am 20. Oktober 2011 zu einer Podiumsdiskussion ins Gemeindehaus ein. Eingeladen waren Experten aus Theorie und Praxis. Die Organisation geschah in Kooperation mit dem Evangelischen Bauernwerk Württemberg, vertreten durch Bildungsrefe-rentin Renate Wittlinger aus Hohebuch.

Im Zeichen begrenzter Ressourcen und der geplanten Energiewende kommt auf die Landwirtschaft in Zukunft eine wachsende Rolle in der Versorgung mit nachwachsenden Rohstoffen zu.

Landesbauernpfarrer Dr. Jörg Dinger aus Hohebuch machte deutlich, dass diese „Energie vom Acker“ nicht zu Lasten der weltweiten Ernährungssicherung gehen dürfe. Oder, anders gesagt, wir müssen darauf achten, dass nicht die einen hungern, während die anderen Nahrungsmittel in Energie umwandeln. Ziel sollte die „Ernährung aller Menschen wenigstens mit dem Lebensnotwendigen sein“, betonte Dinger in seinem Impulsreferat.

Auf dem Podium wurden anschließend die wirtschaftlichen, ethischen und sozialen Aspekte diskutiert, die sich aus der Bekämpfung des Hungers einerseits und den Auswüchsen einer Wegwerfgesellschaft andererseits ergeben.
 
Thomas Hoyer unterstützt mit seiner Genossenschaft dwp in Ravensburg einen fairen Handel zwischen Deutschland und den Ländern des Südens. Solidarität bedeute, so Hoyer, die Kleinbauern dort zu unterstützen, ihnen faire Preise zu zahlen und darauf zu achten, dass zuerst ihre eigene Ernährung gesichert ist, bevor sie für den Export anbauen.
 
Als Lehrerin und Ernährungswissenschaftlerin ist Nicole Hagert-Neuf immer wieder vor die Frage gestellt, wie sich das Thema Gerechtigkeit unterrichten lässt. Ihr ist wichtig, dass Wissen über Ernährung eine möglichst große Verbreitung erfährt, von den weltweiten Produktions- und Handelszusammenhängen bis zur täglichen Zubereitung des Essens.
 
Alfred Wahl, Pächter des Riesenhofs bei Ravensburg und Bio-Landwirt, vertrat die Überzeugung, dass Lebensgrundlagen wie saubere Luft und Wasser, Getreide, Obst und Gemüse jeweils vor Ort verfügbar sein müssen, damit die Region lebensfähig bleibt und um weltweite Abhängigkeiten und die Umweltbelastung durch Transport gering zu halten.
 
Landwirt Walter Traunecker produziert Biogas auf seinem Hof in Ravensburg-Mockenhof und trägt damit zur Energiegewinnung aus regenerativen Ressourcen bei.
 
Die Diskussion wurde von Bezirksbauernpfarrer Thomas Wagner aus Tettnang kompetent moderiert.
An dem Abend wurde deutlich, wie interessant und vielschichtig das Thema Ernährung ist und wie sehr es sich lohnt, sich damit zu beschäftigen.
 
Horst Gamerdinger