vom Bauen und Aufeinander Bauen

Pfarrer Stephan Günzler zum Neu- und Umbau des Gemeindehauses und der Sanierung des Kindergartens

„Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Haus, das wird bald fertig sein“, heißt es im Lied von den fleißigen Handwerkern, das die Kindergartenkinder so gerne singen. Mindestens zwei Mal in der Woche besuchen sie die Baustelle am Gemeindehaus, um zu schauen, was sich so alles tut. Schließlich ist es ja ihr Kindergarten, der hier gebaut wird.
Wenn sie dann wieder drüben sind in ihrem Ausweichquartier im Blauen Hort, dann fachsimpeln sie miteinander – die Kinder - über Autokräne, Betonmischer, Schaltafeln und Paletten und dokumentieren den Baufortschritt an ihrer Pinnwand. Natürlich haben sie auch schon unseren Architekten in seinem Büro in Ravensburg besucht und sich die Pläne erklären lassen.

In der Tat:  Es macht Freude mitzuerleben, wie ein Bau aus dem Boden wächst und immer mehr Formen annimmt. Auf der Titelseite dieses Briefes ist zu sehen, wie gerade der Giebel des neuen Nordflügels an unserem Martin-Luther-Gemeindehaus gemauert wird. Eine Schnur ist gespannt zum künftigen Dachfirst. An ihr kann der Maurer die geplante Dachschräge sehen und die Backsteine passgenau zuschneiden.
Jeden Stein setzt er sorgfältig auf eine Fuge, so dass er auf zwei anderen Steinen aufliegt. Zwei weitere hat er neben sich, die ihm Halt geben. So entsteht eine stabile Mauer. Jeder Stein wird getragen und trägt zugleich die Last von anderen.

Mit diesem Bild wird im Neuen Testament gerne auch von der Kirche gesprochen. Kirche ist ein Haus aus lebendigen Steinen (1. Petr. 2). Sie wächst dadurch, dass Menschen aufeinander bauen. Und dass wir uns nach Gottes Maßstäben richten. Christus ist das Fundament, sagt Paulus in 1. Korinther 3.  Der Anfang ist gemacht. Wir aber haben den Auftrag, aufzubauen auf das, was mit Jesus begonnen hat.

Kirche ist eine Baustelle.  Da muss immer wieder auch mal etwas abgerissen und etwas Neues gewagt werden. Jede Generation muss ihre eigene Antwort finden, wie sie das Evangelium in die Tat umsetzen möchte.
Es gibt Stimmen, die sagen, Kirche passe nicht mehr in unsere heutige Zeit. Jede (und jeder) solle es mit sich alleine ausmachen, wie sie (oder er) es mit Gott hält.

Als Evangelische Kirchengemeinde in Weingarten sind wir genau in die entgegengesetzte Richtung aufgebrochen: Wir bauen ein Gemeindehaus!
Wir schaffen Räume der Begegnung im Herzen unserer Stadt.
Christen sollen Salz und Licht sein für die Welt, sagt Jesus in der Bergpredigt. Ängstlich die Hände in den Schoß legen und sich ins Private zurückzuziehen, geht für Jesus gar nicht.  Unser Talent ist nicht dazu da, dass wir es vergraben. Wir sollen uns einbringen in die Gesellschaft und zum Segen für andere werden.
Allerdings kostet es auch Anstrengung, Nerven und Geduld – und nicht zuletzt auch Geld! -, wenn man als Gemeinde ein solches Bauprojekt wagt. Es geht nur, wenn die Lasten auf viele Schultern verteilt sind.
Aber wenn mit miteinander etwas bauen, kann das auch Kräfte freisetzen.  Im Jahr 1951 war unser Martin-Luther-Gemeindehaus das erste, das nach dem Krieg in unserer Landeskirche gebaut wurde. Jugendliche und Rentner haben damals mit Pickeln und Schaufeln die Baugrube ausgehoben. Nach der Katastrophe des Dritten Reiches haben sie gemeinsam ein Zeichen des Neuanfangs gesetzt.

Ich bin dankbar, wie viele sich auch jetzt für unser neues Gemeindehaus einsetzen. Auf mehreren Seiten in diesem Gemeindebrief lesen Sie von Ideen und Aktionen, mit denen unser Bauprojekt unterstützt wird.
Ein Gebäude zu errichten, ist aber nur der erste Schritt. Ein zweiter Schritt muss folgen. Und dieses Zweite ist das, um was es eigentlich geht, das viel Wichtigere.
Unsere große Aufgabe wird sein, dieses Gebäude mit Leben zu füllen.  Steine allein sind noch nicht Kirche. Kirche ist da, wo Menschen im Geist Jesu sich begegnen
„Unser Gemeindehaus soll für viele Menschen zum Treffpunkt und zur Heimat werden: Für die ganz Kleinen und die Großen, für die Geselligen und die Einsame ….. Keiner und keine soll ausgeschlossen sein“,
so steht es in dem Flyer, mit dem wir derzeit um Unterstützung für unser Bauvorhaben werben.
Haben Sie Ideen, wie unser Gemeindehaus nach seiner Wiedereröffnung am 10. November (Martin Luthers Geburtstag!) mit Leben gefüllt werden kann?  Tun Sie sich doch zusammen mit anderen und planen eine Männergruppe, einen Frauenkreis, ein Seniorencafé, eine Selbsthilfegruppe, einen Mittagstisch oder ….oder…
Bald haben wir tolle Räume.
Jetzt braucht´s lebendige Steine!

Herzlich Grüße von der Baustelle,
Ihr Pfarrer Stephan Günzler

Gemeindebrief 2018/1, Februar 2018