Sakraler Tanz - Inhalt und Texte

Niemand kann mir nehmen, was ich mir ertanzt habe

spanisches Sprichwort

 

Das tanzende Kreisen um eine gemeinsame Mitte ist seit Urzeiten Symbol für die Beziehung des Menschen zur ewigen Ordnung des Lebens - abgeschaut dem Kreisen der Gestirne - das Symbol für unsere Beziehung zum „großen Geheim-nis“, das wir Gott nennen. Im Tanz spricht der Körper die Sprache der Seele, die Bildersprache ganz archaischer Symbole. Und so können wir im gemeinsamen Reigentanz ausdrücken, was sonst schwer in Worte zu fassen ist und in unserem Alltag leicht aus dem Blick gerät. 

“Wer seines Lebens viele Widersinne versöhnt und dankbar in ein Sinnbild fasst, der drängt die Lärmenden aus dem Palast”
diese Rilke-Worte gelten auch für den meditativen Tanz. Das tanzende Kreisen um die gemeinsame Mitte ist wie ein spielerisches Einüben in die Kreisläufe des Lebens, das uns über die BeWEGung “versöhnt und dankbar” zur (inneren) Ruhe und Lebensfreude finden lässt.

Getanzt werden neben traditionellen internationalen auch neuere Choreografien zu klassischer und sakraler Musik.

 

Wer gehen kann, kann auch tanzen...

aus Afrika

 

Im Vergleich zu BallettänzerInnen, die in frühester Jugend mit intensivem körperlichem Training beginnen, sind die Tanzenden im sakralen Tanz oft eher „Spätberufene“, die ihre körperliche Beweglichkeit im Reigen erst (wieder-) entdecken:

 

„Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“ –Im sakralen Tanz zeigen uns GEIST und SEELE den Weg. Ihre Beweglichkeit wächst erfahrungsgemäß in allen Auseinandersetzungen mit den Her-ausforderungen unseres Lebens.

Mechthild von Magdeburg

Ich kann nicht tanzen, Herr,
Es sei denn, DU führtest mich.
Dann aber tanz’ ich in die Liebe

Aus der Liebe in die Erkenntnis
Aus der Erkenntnis in den Genuss
Aus dem Genuss tanze ich
 
Über alle menschlichen Sinne hinaus
Dort will ich bleiben
Obwohl ich doch hier weiterstreiten muss.

Der König des Tanzes

(altes Quäkerlied, in der Übersetzung von H.J. Hufeisen)


Tanz’ doch, wo immer du auch bist,
Ich bin der König des Tanzes, spricht Christ.
Ich tanzte durch des Todes Haus
in Gottes Welt hinaus
Drum traue darauf, das Leben steht auf!

1.
Ich tanzte an dem Morgen beim Erwachen dieser Welt,
Ich drehte um die Sonne und in dem Sternenzelt.
Ich schwang mich auf die Erde
und schwebte gut auf ihr.
Ich tanze und singe das Leben zu dir.
Tanz’ doch, wo immer du auch bist….

2.
Ich tanzte meine Seele den hohen Herren vor,
doch wollten sie nicht tanzen,
denn das bringt Mut hervor.
So ging ich zu den Fischern, und rief sie aus dem Boot.
Sie tanzten mit Kraft und vergaßen die Not.
Tanz’ doch, wo immer du auch bist….

3.
Ich tanzte auch am Sonntag
trotz schärfstem Tanzverbot,
Ich tanzte mit den Schwachen, wir teilten Zeit und Brot.
Die Frommen starrten förmlich, weil ich so anders war, sie hassten mein Volk und ich starb wie ein Narr.
Tanz’ doch, wo immer du auch bist….

4.
Mein Tanzen war verloren, kein Leben regte sich.
Da grinsten stolz die Herren der Welten über mich.
Die Fischer weinten bitter und gingen auf Distanz.
Die Schwachen, sie hofften erneut auf den Tanz.
Tanz’ doch, wo immer du auch bist….

5.
Ich tanzte nach drei Tagen befreiend durch die Welt.
Selbst Steine rollten Wege trotz Mauern durch das Feld
Da traf ich meine Fischer und schwachen traurig an.
Sie staunten und fühlten, das Tanzen begann…
Tanz’ doch, wo immer du auch bist….

Gebet

Frère Roger, Taizé

Atem der Liebe Christi,
überflute alle, die in Angst leben
 und durch einen täglichen Tod gehen,

Durchdringe unseren Geist
und unseren Leib
 mit deiner Auferstehung.

Glücklich, wer sich dem
gefährlichsten aller Wagnisse aussetzt:
Wer zusammen mit dir,
Christus,
den Osterdurchgang durchlebt.