Passionsandacht in der Karwoche

Andacht in der Passionszeit mit
Gedanken zur Geschichte der Fußwaschung
Gedenken an Dietrich Bonhoeffer, dessen Todestag sich am 9. April zum 75. mal jährt

Den Text des Gottesdienstes können Sie als pdf-Datei herunterladen

Und hier das Video:

Ablauf:
Vorspiel
Begrüßung
Lied EG 541 Von guten Mächten
Biblische Lesung: Fußwaschung (Johannes-Evangelium 13)
Gedanken zur Geschichte der Fußwaschung
Instrumentalmusik
Gedenken an Dietrich Bonhoeffer zum 75. Jahrestag der Hinrichtung am 9. April
Lied EG 575 Komm göttliches Licht
Segen Bonhoeffer EG S. 1219
Nachspiel

 

Andacht in der Passionszeit
Mit Gedanken zur biblischen Geschichte von der Fußwaschung (Joh 13)
und einem Gedenken an Dietrich Bonhoeffer

Worte: Pfarrer Horst Gamerdinger
Musik: Johannes Baiker




Ablauf:

Vorspiel
Begrüßung
Lied EG 541 Von guten Mächten
Biblische Lesung: Fußwaschung (Johannes-Evangelium 13)
Gedanken zur Geschichte der Fußwaschung
Instrumentalmusik
Gedenken an Dietrich Bonhoeffer 75. Jahrestag der Hinrichtung am 9. April
Lied EG 575 Komm göttliches Licht
Segen Bonhoeffer EG S. 1219
Nachspiel



Jesus wäscht den Jüngern die Füße
Johannes-Evangelium Kap 13   zum Text

Gedanken zur biblischen Geschichte

Der Diener

Viele hatten Hoffnung in Jesus gesetzt.
Es gab große Erwartungen an ihn.
Dass er die Welt verändern würde.
Dass er die Widerstandskämpfer vereinigen
und die Besatzer aus dem Land werfen würde.
Dass er seine göttliche Macht als Messias unter Beweis stellen würde.

Wie anders erweist er sich in dieser Geschichte.
Ein Diener von allen.
Darin will er Beispiel sein.
„Was ich für euch getan habe, sollt ihr für andere tun.“

So verändert sich die Welt.
So zeigt sich das Göttliche in der Welt:
In der Beziehung zwischen den Menschen.
Menschen, die menschlich zueinander sind,
die einander dienen,
die sehen, was der andere braucht,
die einander geben, was nötig ist.

 

 



Gedenken an Dietrich Bonhoeffer

Am 9. April ist es 75 Jahre her, dass Dietrich Bonhoeffer hingerichtet wurde.
Dietrich Bonhoeffer ist einer der bedeutendsten Männer des 20. Jahrhunderts für die christlichen Kirchen und Theologie und darüber hinaus. Er war schon früh im kirchlichen und politischen Widerstand gegen die Diktatur der Nationalsozialisten aktiv. Er wehrte sich nicht nur gegen Einschränkungen, die die Kirche betrafen, sondern von Anfang an auch gegen die gesamtgesellschaftlichen Folgen der nationalsozialistischen Politik.
Schon früh setzte er sich gegen die Ausgrenzung der Juden ein und beteiligte sich an der Fluchthilfe für verfolgte Juden. Er war Mitglied des Widerstandskreises beim Stauffenberg-Attentat am 20. Juli 1944 und bereitete mithilfe seiner internationalen Kontakte die Zeit für eine Regierung Deutschlands nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft vor.

Warum erinnern wir an den 75. Todestag?
Ich finde auch heute noch sehr wertvoll, was er hinterlassen hat, gerade jetzt in Zeiten großer Veränderungen und ungewisser Zukunft. Z. B. Texte wie das Lied vom Anfang:

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag,
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.


Ein Gedicht voller Zuversicht in düsteren Zeiten. Das trifft auch auf den folgenden Textauszug zu, formuliert wie ein Glaubensbekenntnis:

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandkraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Für mich ist das deshalb besonders glaubwürdig, weil er selbst in großer persönlicher Angst und Verunsicherung war, als er im Gefängnis und mitten im Krieg diese Zeilen schrieb – trotz oder auch gerade wegen seiner Situation. Er sagte selbst von sich, dass er gerade erst im Gefängnis der geworden ist, der er ist und der solche zuversichtlichen Texte schreiben kann.

Was können wir heute noch von Dietrich Bonhoeffer lernen?

Ich selbst finde sehr beeindruckend an Bonhoeffer, dass er für das einsteht, was er denkt und sagt, und dabei sogar in Kauf nimmt, dass sein Einsatz für die Rettung von Juden und im Widerstand gegen die Nationalsozialisten ihn auch das Leben kosten könnte. Doch das mögliche Ende seines eigenen Lebens begriff er auch als einen Neubeginn. Bei allem orientierte er sich dabei an Jesus, bei dem ebenfalls Wort und Tat in großer Übereinstimmung standen. Dessen Solidarität mit seinen Mitmenschen, seine Kreuzigung und seine Auferstehung waren für Bonhoeffer Orientierung und Halt.

Wolfgang Huber schreibt: „Dass Bonhoeffers Tod ein Beginn war, bestätigte sich darüber hinaus in einer Weise, die er selbst nicht ahnen konnte. Denn sein Leben gewann eine Ausstrahlung, die über alles, was er hatte bewirken können, weit hinaus geht.“
Huber schreibt das in einem Artikel in der Zeitschrift Chrismon (April 2020, W. Huber, Was können wir von Dietrich Bonhoeffer lernen?). Der frühere EKD-Ratsvorsitzende beschäftigt sich schon fast sein ganzes Leben lang mit Bonhoeffer und hat einige Bücher über ihn geschrieben. Weil er so klar formuliert und die Dinge auf den Punkt bringt, werde ich im Folgenden immer wieder aus dem Artikel zitieren.

Bonhoeffer ist weltweit zu einem großen Vorbild geworden. Huber: „Sein Beispiel ermutigt zum Widerstand gegen ungerechte Regime, zum Eintreten für den Frieden, zur Zivilcourage im Ringen um den politischen Weg.… In vielen Kirchen der Welt ermutigt er zu neuen Formen der christlichen Existenz.“

Bonhoeffer dachte viel über grundlegende ethische Fragen nach. Huber: „Er schärfte vor allem die Verantwortung für fremdes wie für das eigene Leben ein. Lebte er in unserer Zeit, würde er auch den nachhaltigen Umgang mit der Natur hervorheben und darauf drängen, dass wir durch unsere Lebensgestaltung nicht den Lebensraum derer zerstören, die nach uns kommen. Der Klimawandel ist eine Herausforderung, auf die man Bonhoeffers Einsichten praktisch anwenden kann.“

Bonhoeffer ging es immer wieder auch um die zukünftige glaubwürdige Gestalt der Kirche. Auch hier war ihm die Übereinstimmung von Reden und Handeln von zentraler Bedeutung. Kirche sollte immer „Kirche für andere sein“.
Nochmals Huber: „Bonhoeffer verstand den Glauben als eine Haltung, die das Leben bestimmt. Eine solche Erneuerung des Glaubens und der Kirche gehörte zu den großen Hoffnungen, die zeit seines Lebens uneingelöst blieben.

Diese Hoffnung kann uns heute beflügeln. Sie begründet das Eintreten für nachhaltige Entwicklung, für die Überwindung von Armut und die Bekämpfung des Hungers in der Welt. Eine „Kirche für andere“ in Bonhoeffers Sinn steht auf der Seite von Menschen, die in ihrer Freiheit bedroht sind und um Leib und Leben fürchten müssen. Sie wendet sich denen zu, die vereinsamen und Angst vor der Zukunft haben. Sie hilft Menschen, zuversichtlich zu leben und getröstet zu sterben.“

Und mit Blick auf uns heute formuliert Huber:
„Wir leben in anderen Zeiten. Doch Bonhoeffers Vorbild kann uns helfen, die Zeichen unserer Zeit wahrzunehmen, bevor es zu spät ist:
Wenn die demokratischen Institutionen der Lächerlichkeit preisgegeben werden, ist Widerstand angesagt, nicht Kumpanei.
Wenn die Möglichkeiten einer freien Gesellschaft genutzt werden, um gegen Minderheiten Stimmung zu machen, ist Parteinahme nötig, nicht Gleichgültigkeit.
Wenn Antisemitismus um sich greift, gilt auch heute Bonhoeffers berühmter Satz: ‚Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.‘“