Was glaubst du eigentlich?

Foto von Kirchenbank

Kirchenbank in der Evangelischen Stadtkirche (Foto H. Gamerdinger)

Ich glaube…
Sonntag für Sonntag sprechen wir in den christlichen Gottesdiensten weltweit das Apostolische Glaubensbekenntnis. Neulich haben wir beim Online-Gesprächsabend “Online-Wein“ darüber diskutiert. In den rund 1600 Jahren seines Bestehens wurden Weltbilder revolutioniert, haben sich Wortbedeutungen verändert und ist das Weltwissen explodiert.
Was bedeuten vor diesem Hintergrund Formulierungen wie „Schöpfer des Himmels und der Erde“ oder die Vorstellungen von der Allmacht Gottes, dem Gericht oder der Sündenvergebung? Viele von uns haben sich im Laufe ihres Lebens darüber Gedanken gemacht, für sich eine Erklärung gefunden und ihre eigenen Vorstellungen darüber geklärt.

Gerade bei Glaubensformeln, die schon lange vertraut sind, ist es gut, darüber zu diskutieren und sich immer wieder zu fragen, wie ich sie eigentlich verstehen kann. Das schützt die Glaubensaussagen auch davor, inhaltlich leer und ausgehöhlt und dadurch bedeutungslos zu werden. Die Gefahr dafür ist groß, denn das Apostolische Glaubensbekenntnis bietet für uns aufgeklärte Menschen große Hürden für Verständnis und Glauben.
Ein weiterer Punkt ist, dass das vorbildhafte Leben von Jesus, seine Botschaft vom Reich Gottes und die Nächstenliebe nicht darin vorkommen. Dabei hat Jesus gerade durch sein Einfühlungsvermögen, seine Solidarität und die große Übereinstimmung von Reden und Tun eine große Autorität auch bei Menschen, die sonst mit dem Glauben nicht viel anfangen können. Manche modernen Glaubensbekenntnisse versuchen das auszugleichen, indem sie Sätze über das Leben von Jesus formulieren wie: „Ich glaube an Jesus, unsern Befreier. Durch seine Lebensfreude und seine heilende Zuwendung kann ich erfahren, wie Gott mit uns umgeht.“

Bei unserem Online-Gesprächsabend diskutierten wir über einige dieser modernen Glaubensbekenntnisse, die auf vielfältige Weise neue Formulierungen anbieten und deshalb Menschen unserer Zeit noch einmal auf ganz andere Weise ansprechen können.
Eine kleine Sammlung von alternativen Glaubensbekenntnissen finden Sie auf unserer Internetseite für Onlineprojekte „weingarten-evangelisch.online/online-wein“. Ich freue mich, wenn Sie mir schreiben, wie es Ihnen mit manchen Formulierungen in Glaubensbekenntnissen geht.

Pfr. Horst Gamerdinger, Evangelische Kirchengemeinde

zuerst erschienen in Weingarten im Blick, 12.3.2021