Was hilft

Teil von etwas Größerem sein

Zum Thema Coronavirus kann man sich ja in den Medien auf vielfältige Weise informieren. Zwei Äußerungen sind mir in den letzten Tagen besonders positiv aufgefallen.

Zum einen das, was der Direktor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, sagte: “Die Eindämmung beginnt bei jedem Einzelnen. Die größten Feinde im Kampf gegen die Ausbreitung sind Angst, Gerüchte und Stigma. Nötig sind Fakten, Vernunft und Solidarität“. In wenigen Begriffen brachte er damit wertvolle Verhaltensregeln auf den Punkt.

Zum anderen fiel mir positiv auf, was ich in einem Interview mit dem Berliner Psychotherapeuten Jan Kalbitzer las (Zeit online, 1. 3.). In dem Interview geht es darum, wie man mit den Ängsten umgehen kann, die durch große, ungreifbare Bedrohungen wie Klimawandel oder Coronavirus entstehen können. Generell sei es wichtig, sich eigene Handlungsspielräume gegen Ängste zu erhalten oder neu zu schaffen.

Nun lässt sich ein globaler Prozess wie der Klimawandel oder der aktuelle Virenausbruch nicht durch einen Einzelnen aufhalten. Aber gegen die Angst sei es hilfreich, Teil einer größeren Gruppe Handelnder zu sein. Kalbitzer empfiehlt: „Versuchen Sie, sich eine Gruppe zu suchen, zu der sie sich zugehörig fühlen. Verbündete sind wichtig. Das können Fridays for future sein, eine Partei, ein Verein, die Kirche. Teil von etwas zu sein, ist wichtig. Und ein gemeinsames Ziel zu haben, ist gut für die psychische Widerstandskraft.

Als Einzelperson kann ich in meinem eigenen Umfeld anfangen: Mich zum Beispiel Anderen gegenüber aufmerksam verhalten und mich so in meiner Umwelt dafür einsetzen, die Menschlichkeit zu erhalten. Kalbitzer: „Es geht darum, trotz Sorgen und realer Bedrohungen menschlich zu bleiben. Damit retten Sie im Alltag einen kleinen Teil dessen, was die Menschheit als Ganzes ausmacht.“

Zusammenfassend bedeutet das für mich: Gegen Sorgen und Angst und sogar gegen Virenausbrüche hilft: Teil eines Ganzen zu sein, Mitmenschlichkeit und Solidarität.

Pfr. Horst Gamerdinger, Evangelische Kirchengemeinde

zuerst erschienen in Weingarten im Blick, 6.3.2020
Bild: Shane Rounce, unsplash.com